SCHÜTZEN-FESTZELT WIESNGESCHICHTEN 2011

Offene Fragen zum Tode König Ludwig II. von Bayern – Teil 3


In unserem letzten Artikel berichteten wir über die Ungereimtheiten der offiziellen Version des Ablebens König Ludwig II., doch was passierte denn nun tatsächlich am Starnberger See am Abend des 13. Juni 1886? Diesbezüglich gibt es mehrere Theorien von Historikern und Kriminalisten, die sich teilweise entsprechen, teilweise aber auch widersprechen. Mit die bekanntesten Streithähne in diesem delikaten Fall sind bzw. waren Wilhelm Wöbking als Vertreter der offiziellen Theorie und Albert Widemann und Prof. Dr. Siegfried Wichmann als Anhänger der sog. „Flucht-Theorie“, gemäß welcher Ludwig am Abend seines Todes von Gefolgsleuten am Ufer des Starnberger Sees hätte abgeholt und zu seiner Cousine Kaiserin Elisabeth von Österreich (besser bekannt als „Sissi“) gebracht werden sollen, welche zum Todeszeitpunkt Ludwigs tatsächlich im Hotel Strauch in Feldafing am Starnberger See residierte. Neben den „drei großen Ws der Kini-Forschung“ mischen allerdings noch viele andere in dieser Angelegenheit mit, die wohl mysteriösesten Diskutanten sind der altehrwürdige Geheimbund der sog. „Guglmänner“, die sich zu großen Teilen jedoch auf die Arbeiten von Albert Widemann beziehen.

Wöbking, ehemaliger Staatsanwalt und Richter, wurde von den Wittelsbachern beauftragt, die Frage nach den Todesumständen endgültig zu klären. Er kam nach Einsicht aller Akten (auch denen im Geheimarchiv der Familie Wittelsbach) zu dem Ergebnis, dass sich alles so zugetragen hatte, wie es damals von offizieller Seite behauptet wurde. Widemann und Wichmann widersprechen jedoch unabhängig voneinander dieser Theorie; beide widersprechen sogar der Behauptung, dass König Ludwig II. die bayrische Staatskasse für seine Bauten geplündert hätte, sondern dass er alles aus dem Familienvermögen der Wittelsbacher gezählt hätte bzw. dass er von unlauteren Ministerialen bzgl. seiner Finanzen hinters Licht geführt worden war. Wie man sieht, gibt es selbst über diesen Punkt Uneinigkeit. Prof. Dr. Wichmann beruft sich als Quellen für seine Flucht-Theorie primär auf ein Gemälde von Hermann von Kaulbach (der ein Freund Ludwigs war und ihn kurz nach seinem Tode skizziert haben soll, wobei Blutspuren am Mund des toten Königs zu sehen sind, die nicht bei Ertrunkenen, sehr wohl jedoch bei Leuten mit einem Lungendurchschuss auftreten) und das Tagebuch von Maximilian Schleiß von Löwenstein, welcher der frühere Leibarzt des Königs gewesen war und der ihm am 13. Juni zusammen mit von Kaulbach und zwei Bediensteten zur Flucht verhelfen wollte.

Besuchen Sie uns übermorgen wieder und lesen Sie Details über die Fluchttheorie.

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